Arbeitsschutz bei der Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner
Allgemein

Der Eichenprozessionsspinner oder „Thaumetopoea processionea“ ist eine gefährliche Nachfalterart. Während der ausgewachsene Falter an sich harmlos ist, stellen die Raupen eine große Gefahr für Menschen, Tiere und die Umwelt dar. Deshalb gilt es, die Tiere unschädlich zu machen und ihre Nester zu entfernen. Auch die Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner ist allerdings mit erheblichen Risiken verbunden. Deshalb kommt dem Arbeitsschutz bei der Schädlingsbekämpfung besondere Bedeutung zu. Wir erklären, wie Sie sich bei der Bekämpfung wirksam schützen können.

Der Eichenprozessionsspinner im Porträt

Der Eichenprozessionsspinner ist eine Nachtfalterart der Familie der Zahnspinner. Im Herbst des Jahres legt ein einziger Falter über 100 Eier. Die fertigen Raupen schlüpfen in der Regel zwischen April und Mai des darauffolgenden Jahres. In frühen Stadien sind die Raupen gelblich-braun gefärbt. Später entwickelt sich eine graublaue bis schwarze Färbung. Die Tierchen können eine Länge von bis zu fünf Zentimetern erreichen. Auf ihrem Rücken sind eine dunkle Linie und braune Warzen zu erkennen. Das auffallendste Merkmal sind jedoch die vielen weißen Härchen: die giftigen Brennhaare. Sie sind es, die die Tiere so gefährlich machen.

Eichenprozessionsspinner fühlen sich in warmem, trockenem Klima am wohlsten. In besonders warmen Sommern kommt es daher häufig zu Massenvermehrungen. Eichenprozessionsspinner stammen ursprünglich aus Südeuropa. Aufgrund des Klimawandels sind sie seit einigen Jahren aber auch in Deutschland weit verbreitet.

Wie der Name bereits verrät, findet man Eichenprozessionsspinner am häufigsten auf Eichen. Sie mögen die Sonne. Lichte Eichen-Wälder sind daher das perfekte Habitat. In Jahren der Massenvermehrung sind sie jedoch auch an anderen Baumarten zu finden. Eichenprozessionsspinner bewegen sich in sogenannten Nose-to-Tail-Prozessionen fort, was den zweiten Teil ihres Namens erklärt.

Meist bekommt man die Raupen ausschließlich abends zu Auge. Zu dieser Tageszeit gehen sie nämlich in Gruppen auf Nahrungssuche. Tagsüber sind sie in der Regel in ihren Nestern. Bis zur Verpuppung durchleben die Raupen fünf bis sechs Häutungen. Hierzu ziehen sie sich ebenfalls in ihr Nest zurück. Die Nester lassen sich anhand weißer Seidenstränge an den Stämmen und Ästen des betroffenen Wirtsbaumes erkennen.

Arbeitsschutz Bekämpfung Eichenprozessionsspinner 2

Eichenprozessionsspinner bevorzugen warmes, trockenes Klima. Mit dem Klimawandel kommt es auch in Deutschland häufiger zu Massenvermehrungen.

Gefahr durch den Eichenprozessionsspinner

Die Raupen mögen zwar ganz harmlos aussehen, können aber auf verschiedene Art und Weise äußerst schädlich sein.

Zum einen richten sie forstwirtschaftliche Schäden an. Eichenprozessionsspinner ernähren sich von den Blättern des jeweiligen Wirtsbaumes. In Jahren der Massenvermehrung können sie ganze Baumbestände kahl fressen.

Noch gefährlicher ist das Gift ihrer Härchen für andere Tiere und Menschen. Die weißen Brennhaare beinhalten das Nesselgift Thaumetopoein. Bei Berührung mit der Haut kann dieses Gift starken Juckreiz und schwere Entzündungen hervorrufen. Die Härchen sollten außerdem auf keinen Fall in die Atemwege oder das Auge gelangen, da hierdurch Atemnot oder Asthma beziehungsweise eine Bindehautentzündung ausgelöst werden kann. Im schlimmsten Fall kann es zu einem allergischen Schock kommen. Dieser kann lebensbedrohlich sein.

Auch abgebrochene Härchen behalten ihre giftige Wirkung noch über Jahre hinweg. Eine allergische Reaktion kann demnach sowohl durch direkten Kontakt als auch mittelbar durch an Kleidung haftende Härchen ausgelöst werden. Je höher das Larvenstadium, desto leichter brechen die Härchen ab und können dann ebenfalls vom Wind verteilt werden. Die gefährlichen Brennhaare entwickeln sich erst nach ungefähr drei Häutungen. Kurz vor der Verpuppung kann die Raupe bis zu 700.00 Brennhaare besitzen. Viele dieser Härchen bleiben auch nach der Metamorphose in den Nestern zurück. Brennholz aus befallenen Gebieten ist daher mit besonderer Vorsicht zu behandeln.

Bekämpfungsmethoden

Raupenparasiten wie Wanzen oder Schlupfwespen fressen die Eichenprozessionsspinner oder zerstören ihre Eier. In den meisten Fällen reicht diese natürliche Bekämpfung jedoch nicht aus. Ob man Eichenprozessionsspinner aktiv bekämpfen muss, hängt von einigen Faktoren ab. In Gebieten mit einem geringen Vorkommen der Tiere reicht oft schon ein Warnschild aus. In manchen Umgebungen sollte auch ein leichter Befall angemessen geprüft und eventuell bekämpft werden. Darunter beispielsweise Flächen in der Nähe von Kindergärten oder Schulen, Freibädern, Rastplätzen und beliebte Waldgebiete. Bei sehr starkem Befall ist es häufig erforderlich, das gesamte Gebiet abzusperren. Hier kommen anschließend oft mechanische Bekämpfungsmethoden zum Einsatz. Diese sollten man, wenn möglich, bereits vor der dritten Häutung durchführen.

Zu den geläufigsten Bekämpfungsmethoden zählen:

  • Abflammen: Die Raupen und Nester werden mit einem Flammenwerfer verbrannt. Die Genehmigung dieser Methode ist häufig kompliziert, da sie mit einer hohen Brandgefahr verbunden ist. Zudem besteht die Gefahr, dass die Härchen bei diesem Verfahren aufgewirbelt und in die Umgebung verteilt werden. Deshalb ist das Abflammen bei der Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner nicht zu empfehlen.
  • Bekämpfung mit Gift: Befallene Eichenwälder können ebenfalls mit biologischem Gift besprüht werden. Die enthaltenen Bakterien töten die Raupen. Die Giftverteilung gelingt am besten aus der Luft, beispielsweise mit Helikoptern. Hierbei können jedoch auch andere Tiere gravierende Schäden erleiden.
  • Absaug-Methode: Das Absaug-Verfahren gilt als Hauptbekämpfungsmethode. Hierbei werden die Raupen und deren Nester mit einem Sauger entfernt. Schädlingsbekämpfer sollten sich bei dieser Methode ausreichend schützen, da auch hier bis zu einem gewissen Grad die Gefahr der Aufwirbelung besteht.
  • Heißwasser-Verfahren: Diese Methode gilt als die umweltfreundlichste. Heißes Wasser wird auf die befallenen Stellen aufgetragen und die Raupen so vernichtet. Der große Vorteil: Auch das in den Brennhaaren enthaltene Gift wird bei diesem Prozess abgekocht und unschädlich gemacht. Das Endprodukt ist Bioabfall, den man ohne weitere Einschränkungen entsorgen kann.

Arbeitsschutz bei der Schädlingsbekämpfung: Eichenprozessionsspinner

Der Aufenthalt in Gebieten mit einem Eichenprozessionsspinner-Vorkommen ist grundsätzlich zu meiden. Professionelle Schädlingsbekämpfer haben hier jedoch leider keine Wahl. Wenn das Aufstellen von Warnschildern bzw. das Absperren von betroffenen Gebieten nicht ausreicht, müssen Raupen und Nester von Experten entfernt werden. Natürlich sollten auch diese sich bei ihrer Arbeit angemessen schützen, um keine Hauterkrankungen oder allergische Reaktionen zu erleiden. Aus diesem Grund gilt es, den Kontakt zu den Tieren und ihren Brennhaaren so gut es geht zu vermeiden.

Das erfordert das Tragen einer geeigneten Persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Diese sollte bei der Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner aus einem körperbedeckendem Schutzanzug, Atemschutzmaske (mindestens FFP2) und Augenschutz in Form einer Korbbrille bestehen. Auch geschlossenes Schuhwerk und Schutzhandschuhe sind wichtig, um sich angemessen vor den Tieren schützen und jeglichen Hautkontakt vermeiden zu können.

Während der Arbeit in den befallenen Bereichen sollte nicht gegessen, getrunken oder geraucht werden. Außerdem sollte man seine Hände regelmäßig und zusätzlich bei Verdacht auf Hautkontakt mit den Brennhaaren unter Berücksichtigung der Hauptpflege gemäß Hautschutzplan reinigen.

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Manchmal reicht ein Warnschild alleine nicht aus. Es gibt verschiedene Methoden, um einen schweren Eichenprozessionsspinner-Befall zu bekämpfen.

Maßnahmen nach Abschluss der Arbeiten

Nach der Arbeit ist die Schutzausrüstung sachgerecht abzulegen. Dazu müssen die Schädlingsbekämpfer ihre Schutzanzüge mit der Außenseite nach innen umkrempeln und in verschließbaren Behältern verstauen. Verunreinigte Kleidung sollte man bei mindestens 60 °C waschen, um das in den Brennhaaren enthaltene Gift unschädlich zu machen. Auch die Schuhe darf man bei der anschließenden Reinigung nicht vergessen. Sollte trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Kontakt mit den Brennhaaren zustande gekommen sein, empfehlen wir, vorsichtshalber einen Arzt aufzusuchen. Bei starkem Juckreiz kann dieser schmerzlindernde, cortisonhaltige Cremes verschreiben und Schlimmeres verhindern.

Arbeitsschutz mit dem Büro für Arbeit & Umwelt

Arbeitgeber sollten dem betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz ausreichend Bedeutung beimessen, damit ihre Beschäftigten lange gesund und zufrieden ihrer Tätigkeit nachgehen können. Das gilt nicht zuletzt für die Schädlingsbekämpfung, die mit vielfältigen Gefährdungen verbunden sein kann.

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